Bündnisgrüne setzen auf Flügelungskonzept für Herrnhuter BahnRegionalexpress Zittau – Dresden über Bautzen: kostengünstiger und höhere Erschließungsqualität

Mittwoch, 20. September 2017 | News Görlitz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN SRV Zittau

 

Zittau/Herrnhut: Der bündnisgrüne Verkehrsplaner Matthias Böhm hat für die Herrnhuter Bahn ein Fahrplankonzept ausgearbeitet, das insbesondere für das Mittelzentrum Zittau Vorteile bringen würde. Böhm schlägt vor, den Regionalexpress 2 von Zittau ab Oberoderwitz über die weitgehend stillgelegte Herrnhuter Bahn nach Löbau zu führen. Hier soll der Triebwagen mit dem Regionalexpress 1 aus Görlitz zusammengekoppelt werden und vereinigt nach Dresden weiterrollen. In der Gegenrichtung starten die Triebwagen von RE 1 und 2 zusammen in Dresden: In Löbau fährt der vordere Zugteil weiter nach Görlitz, der hintere verlässt Löbau rückwärts nach Zittau. Eisenbahnbetrieblich spricht man vom „Flügeln“.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Zittau würde zusätzlich umsteigefrei an das Teiloberzentrum Bautzen angebunden, die Mittelzentren Löbau und Zittau wären ca. 25 min schneller miteinander verbunden als mit der Buslinie 27 und es würden für den RE 2 knapp 2/3 der Trassennutzungsentgelte an DB Netz eingespart, da RE 1 und 2 ab Löbau gemeinsam eine Trasse nutzen. Das frei werdende Geld könnte der ZVON verwenden, um Verstärkerzüge auf der RB 61 Zittau – Dresden über das dicht besiedelte Oberland zu bestellen.

Die Bündnisgrünen hatten letztes Jahr ein Konzept vorgeschlagen, das eine Bedienung der Strecke Zittau – Dresden via Ebersbach und Wilthen im sauberen Stundentakt nur mit „Bummelzügen“ vorsieht, um für kleinere Ortschaften entlang der Strecke ein häufigeres Angebot zu schaffen. Insbesondere die Stadt Zittau lehnte dies wegen der Fahrtzeitverlängerung um knapp 20 min ab. Kleinster gemeinsamer Nenner der Bürgermeister/innen entlang der Strecke war die Forderung an den ZVON, Verstärker-Regionalbahnen im Berufsverkehr zu bestellen. Das geht wegen fehlender Kreuzungsmöglichkeiten aber immer nur in eine Richtung (z.B. morgens Verstärker nach Dresden, nachmittags nach Zittau). Wenn sich die Expresszüge nach dem bis Oberoderwitz zweigleisigen Abschnitt aber Richtung Herrnhut ausklinken, entspannt sich die Situation auf dem eingleisigen Abschnitt über das Oberland. Verstärkerzüge oder sogar Böhms sauberer Stundentakt wären nicht nur finanziell sondern auch fahrplantechnisch realisierbar. 

Realistischerweise hat Böhm einen Ausbau der Herrnhuter Bahn für 120 km/h angesetzt: Schneller erreicht man ab Zittau mit dem RE 2 Dresden dadurch zunächst nicht, wohl aber Bautzen – nämlich in nur 45 min. Heute muss man von Zittau mit der Bahn entweder über Bischofswerda oder Görlitz fahren bzw. eine Kombination mit dem Bus wählen – Anschlüsse zwischen Bus und Bahn sind aber eher ein Zufallsprodukt. Sollte die Strecke Dresden – Görlitz doch irgendwann elektrifiziert und für einen Fernverkehr Richtung Polen ausgebaut werden, wäre man ab Löbau auch schneller in Dresden.

Zusätzliche Potenziale hat die Strecke über Herrnhut für den Güterverkehr und lokalen Schülerverkehr: Zu den Zinzendorfschulen in Herrnhut könnten Schulkinder befördert werden, aber auch die staatlichen Gymnasien in Löbau und Zittau würden besser und insbesondere im Winter witterungsunabhängiger angebunden. 

Nach groben Schätzungen sind rund 30 Mio. € für den Ausbau der Herrnhuter Bahn erforderlich. „Auf den ersten Blick eine gewaltige Summe: Wenn man aber vergleicht, dass die B 178n die zehnfache Summe verschlingen wird, und nun noch ein unsinniger Weiterbau nördlich der A 4 Richtung Cottbus gefordert wird, wäre dieses Geld gut investiert, weil durch den vielfachen Nutzen schon bald eine Amortisierung eintritt“, findet Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Franziska Schubert sieht die raumordnerische Bedeutung dieses Bahn-Konzeptes und unterstützt die BI „Pro Herrnhuter Bahn“, die sich gegen die Entwidmung der Bahn zugunsten eines Radweges ausspricht.