"Fremde Eltern" - Lesung mit Joachim Krause

Sonntag, 7. Mai 2017 | News Zwickau

Fremde Eltern – Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen

Die Veranstaltung stand mit Beginn der diesjährigen Demokratietage ganz oben auf meiner Liste, hatten doch auch meine Großeltern und mein Onkel immer beständig über diese Zeit geschwiegen. Mehr als die alltäglichen Sorgen, wie die Kinder satt bekommen und hoffentlich bleiben alle gesund, war nicht zu erfahren. Fragen, wie so viele Menschen dieser nationalsozialistischen Ideologie „verfallen“ konnten, wie das Leiden in den Konzentrationslagern geschehen und unbemerkt bleiben konnten, blieben unbeantwortet.

„Fremde Eltern – Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen“ enthält ausgewählte Briefe und Tagebucheintragungen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945, die Joachim Krause aus insgesamt 1.800 Originaldokumenten seiner Eltern auswählte und zusammenstellte.

Das so entstandene Buch gewährt einen kleinen Einblick in die Gedanken und inneren Auseinandersetzungen seiner Eltern mit den Fragen und Herausforderungen ihrer Zeit. Es zeichnet ein ebenso tiefgründiges wie bewegendes und teils erschreckendes Bild einer jungen Generation, die in unterschiedlichem Ausmaß empfänglich für die nationalsozialistische Ideologie ist. Die Briefe dokumentieren eindrucksvoll den Zwiespalt zwischen dem Deutsch-Sein und dem Menschsein im Sinne des christlichen Glaubens aber auch, wie leicht der christliche Glauben als Rechtfertigung herhalten musste.

Ebenso eindrucksvoll zeigen sie, wie sich bei Christian im Laufe des Krieges die Erkenntnis Bahn bricht, dass Deutschland sich schuldig an anderen Völkern gemacht hat und auf der anderen Seite Margarethe Hitler eher als unwissendes Opfer eines unvollkommenen Volkes sieht. Es ist diese Widersprüchlichkeit, die einen auch mit Blick auf die eigenen Großeltern mit vielen Fragen zurücklässt aber auch eine Erklärung bietet, warum so laut geschwiegen wurde.

Beklemmend ist am Ende die Erkenntnis, dass auch wir die nachfolgenden Generationen mit unserem Wissen um die Geschichte nicht davor gefeit sind, die Fehler unserer Eltern und Großeltern zu wiederholen. Ganz herzlich danke ich Joachim Krause und seiner Familie, die sich für die Veröffentlichung dieser sehr persönlichen Zeitdokumente entschieden haben. Eine leichte Entscheidung war das nicht, wie schon zu Beginn der Veranstaltung zur Sprache kam. Doch gerade solche Zeitdokumente sind es, die helfen können, zu verstehen, warum so viele damals mitliefen und teils auch – zumindest am Anfang - überzeugt waren.

Herzlichen Dank auch den GRÜNEN und der Hochschulbibliothek, die diese tolle Veranstaltung möglich gemacht haben.

Simone Hock Beiratsmitglied im Demokratiebündnis