Fichtelberg Wetterwarte: Verfälschte Schneehöhenangaben schaden dem Tourismus

Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der Erzgebirgs-GRÜNEN

Am 31. Dezember 2018 vollzogen die Wetterbeobachter auf dem Fichtelberg wehmutsvoll ihre letzte Schicht. Damit endeten unter anderem auch die letzten manuell erfassten, präzisen Schneehöhenangaben auf Sachsens höchstem Gipfel. 

Die GRÜNEN hatten während der letzten zwei Jahre für den Erhalt der Wetterwarte gekämpft, nicht zuletzt deshalb, weil sich zahlreiche Wetterexperten darin einig sind, dass ein rein automatisiertes Messnetz auf dieser Bergstation in über 1200 m Höhe zu erheblichen Qualitätsverlusten bei den zu erfassenden Parametern führen wird. 

"Der Deutsche Wetterdienst (DWD) jedoch bestritt dies vehement, schlug alle Warnungen in den Wind und hielt an seiner auf reine Automatisierung gerichteten Messnetzstrategie fest", so Ulrike Kahl von den erzgebirgischen GRÜNEN.

Mit Wegfall der Wetterbeobachter auf dem Fichtelberg sind Befürchtungen der GRÜNEN bereits nach wenigen Tagen eingetreten

Nach einer über dpa verbreiteten Meldung des DWD lagen am 2. Januar auf dem Fichtelberg ganze 25 cm Schnee (siehe https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/kurzbesuch-des-winters-in-sachsen-artikel10408465) , obgleich die letzte offizielle Schneehöhenmessung am Neujahrstag 68 cm betrug. Obwohl während dieses Zeitraumes Neuschnee fiel und Temperaturen von - 8° C herrschten, schwand nach DWD-Angaben die Schneedecke um 40 cm.

"Solche eklatanten Falschmeldungen des staatlichen Wetterdienstes sind auch ein Schlag ins Gesicht der Tourismuswirtschaft. Sie verunsichern zahlreiche potentielle Gäste gerade während der freien Tage über den Jahreswechsel und lassen höchste Zweifel an der Seriösität des DWD aufkommen. Noch im April 2017 hatte ein Vertreter aus Offenbach während einer Führung auf dem Fichtelberg versichert, dass alle Messgeräte zum Zeitpunkt der Vollautomatisierung funktionsfähig sind. Was wir nunmehr erleben, ist das Gegenteil. Wenn weder verlässliche Niederschlags- , noch Schneehöhen- und Schneedichtemessungen erfolgen und auch die Wetterzustandsmeldung ausfällt, dann waren diese Beteuerungen nur leere Worthülsen.

Verfälschte Schneehöhenangaben schaden einem nachhaltigen Wassermanagement

Speziell auch mit dem Wegfall  präziser Schneedichtedaten ist es für die Wasserwirtschaft auch hinsichtlich auf Hochwasserereignisse nicht möglich, ein nachhaltiges Wassermanagement zu betreiben. Daher wäre es nur folgerichtig, den DWD  zu zwingen, seine unzulängliche Messnetzstrategie zu korrigieren, damit wieder verantwortliches Handeln an den Tag gelegt werden kann." 

"Als besonders fatal und kritikwürdig betrachten wir GRÜNE es, dass über 6.500 Petenten von der im Juli 2017 eingereichten Petition im Bundestag noch keinerlei Rückmeldung erhalten haben. Ohne Rücksicht auf Bürgerwille und schlagkräftige Argumente sah man in Berlin zu, wie der DWD sein Personal vom Fichtelberg abzog. Man kann daher nur resümieren, dass die verantwortlichen Politiker der Regierungskoalition die Bürgerinnen und Bürger nicht ernst nehmen bzw. nicht im Stande sind, die Tragweite des Problems zu erkennen ",  zeigt sich die erzgebirgische GRÜNE enttäuscht.