Rezepte für eine bessere Tierhaltung

Vorstellung des Fleischatlas 2018 in der Mühle in Langenchursdorf

Einen sehr interessanten Diskussionsabend erlebten die Besucher, die am Dienstag Abend in die Langenchursdorfer Mühle gekommen waren.

Anhand von vielen Daten und Fakten erläuterte der Referent vom BUND Danilo Calera Sequeira, die im Fleischatlas 2018 enthaltenen Vorschläge für eine bessere Tierhaltung.

Die wird nur möglich sein, wenn der Fleischkonsum geringer wird, denn das ist gut fürs Klima, für die Nachhaltigkeit und auch ein wirksames Mittel für globale Gerechtigkeit.

Wie kann das aber gelingen in einer Landwirtschaft, die totel auf Wachstum ausgerichtet ist?

Aber genau dieses Wachstum an Fleisch- und Milchproduktion hat fatale Folgen für die Bekämpfung von Hunger und Armut in der Welt und sie erschwert den Klima- und Artenschutz, so paradox das zunächst klingt. 

Für kein anderes Konsumgut der Welt wird soviel Land benötigt wie für Fleich- und Milch. Und Ackerland ist begrenzt, besonders im Hinblick darauf, dass am Ende des Jahrhunderts ca. 9 Milliarden Menschen ernährt werden müssen.

Schuld an der Misere sind allerdings nicht die Landwirte, die durch die Ausrichtung des europäischen Fördersystems, dass Subventionen nahezu ausschließlich an die Größe der Fläche koppelt, in Zwänge geraten.

Das bedeutet, dass Massentierhaltung und intensive Bewirtschaftung der Flächen mit allen damit verbundenen Folgen, wie Pestizideinsatz oder Antibiotikaeinsatz bei Tieren nahezu unvermeidlich sind.

Wir müssen als Einzelne und gleichzeitig aber auch als Gesellschaft umsteuern, damit auch unsere Nachfahren noch eine Welt haben auf der es gut zu leben ist.

In den Industrieländern müsste der Fleischkonsum um die Hälfe reduziert werden. Das soll aber nicht mit Zwang erfolgen, sondern mit anderen Instrumenten.

Zunächst müssen den Menschen die Gründe für einen reduzierten Fleischkonsum überzeugend erklärt werden, denn viele Menschen sind durchaus offen dafür.

Auf Fleich und Wurst sollte eine verbindliche staatliche Kennzeichnung über die Art der Tierhaltung gut sichtbar angebracht sein.

Agrarsubventionen der EU (60Mrd. jährlich) sollten vorrangig in eine ökologische Landwirtschaft und eine bessere Tierhaltung fließen.

Weitere Beispiele für notwendige Veränderungen sind strengere Standards für das Tierwohl, eine gute Kommunikation mit den Mitteln des Internets gerade von kleineren und mittleren Landwirtschaftsbetrieben mit ihrer Kundschaft bis hin zum Gestaltungspotential von Supermärkten mit ihrer großen Marktmacht.

Es entspann sich im Anschluss an den Vortrag eine sehr lebhafte Diskussion zu dem doch recht kontroversen Thema der Reduktion des Fleischkonsums.

Einen Gewinn hatten jedenfalls alle Teilnehmer von diesem Abend.

Einen besonderen Dank auch dem Ehepaar Doege, die die Veranstaltung in ihren wunderbaren Räumen ermöglicht hatten.

Anmerkung:

Der Fleischatlas wird seit 2013 von der grün nahen Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND herausgegeben mit einem jährlich anderen Schwerpunkt