Die Realitätsverweigerung eines Bürgermeisters

Der für das Erzgebirge zuständige Landtagsabgeordnete Dr. Daniel Gerber kritisiert den Brief von Stollbergs Oberbürgermeister Schmidt bzgl.  der Absage des Weihnachtsmarktes in seiner Kommune  - siehe https://www.stollberg-erzgebirge.de/inhalte/stollberg/_aktuelles/bilder_aktuelles/absage_weihnachtsmarkt_neu  -  und bezieht Stellung zu folgenden Passagen:

Oberbürgermeister Marcel Schmidt:

"... Wir können wahrscheinlich nicht in jeder kommenden Grippewelle sämtliche Traditionen über Bord werfen, alle bisher geltenden Grundsätze beiseite schieben, um keine Menschen sterben lassen zu müssen.“

Dazu MdL Daniel Gerber:

Tradition bezeichnet die Weitergabe von Glaubenssätzen. Dass es schmerzt, diese nicht ausleben zu können, kann ich nachvollziehen. Ich wünsche mir aber, dass wir dieses Jahr die Glaubenssätze der Eigenverantwortung, des Mitgefühls und der Nächstenliebe weitergeben. Nur so können wir die Krise in den Griff bekommen und das ist vor allem die Aufgabe des Bürgermeisters.

Oberbürgermeister Marcel Schmidt:

„Sollte nicht anstelle eines immer wieder zitierten Institutes die Vielfalt der Wissenschaftler und Ärzte unseres Landes in die Debatte eintreten?“

MdL Daniel Gerber dazu:

Die Arbeit des Robert-Koch-Instituts ist richtig und wichtig. Das RKI rettet unzählige Leben, nicht nur in der Corona-Krise. Es gibt einen wissenschaftlichen Konsens zwischen den führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Angriffe wie dieser auf die seriöse Wissenschaft, sind der Grund, warum vor allem in Sachsen die Infektionszahlen weiter steigen und im Erzgebirge die meisten Toten zu verzeichnen sind. Ein Bürgermeister sollte, vor allem in der Krise, die Menschen einen und nicht auseinander treiben.

Oberbürgermeister Marcel Schmidt:

„Statistisch betrachtet, schützen die derzeitigen Maßnahmen nur einen sehr kleinen Teil unserer Bevölkerung vor einer Krankheit, die selbst bei Infektion für die Allermeisten nach derzeitigem Wissensstand nicht einmal Symptome hervor bringt. Jeder Minderheit alles recht zu machen und darüber die Mehrheit zu vergessen, übersieht die alte Weisheit „Einem jeden Recht getan, das ist die Kunst, die niemand kann!“

MdL Daniel Gerber dazu:

Diese Aussagen sind schlicht falsch. Die Maßnahmen schützen uns alle. Jede und jeder kann sich an Corona infizieren, egal ob jung oder alt. Zur Risikogruppe gehören in Deutschland

27 Millionen Menschen. Angesichts von min. 1,4 Millionen Corona-Toten weltweit, bereits heute überfüllten Krankenhäusern in Görlitz und Bautzen, sind solche Äußerungen untragbar. Wer zu unserer Gesellschaft gehört, gibt nicht der Bürgermeister aus Stollberg vor, dazu gehören alle und diese zu schützen, ist Auftrag des Bürgermeisters.

 Kommentierung des Briefes von MdB Wolfgang Wetzel:

"Von politischen Verantwortungsträgern erwarte ich aktuell ganz besonders, für einen solidarischen Zusammenhalt der Gesellschaft, der auch Alte, Kranke und Schwache mit einschließt, einzustehen. Dieser Brief tut das nicht.

Der Brief des Stollberger Bürgermeisters ignoriert eklatant die aktuellen Fakten des Infektionsgeschehens in unserer Region. Wie weit soll die Wocheninzidenz noch steigen? Die Äußerungen missachten die angespannte Situation in den örtlichen Krankenhäusern, sie ignorieren die dramatischen Fälle betroffener Altenpflegeheime.

Als gebürtiger Schneeberger verstehe ich es auch als erzgebirgische Tradition, Würde und Lebensrecht alter und kranker Menschen zu achten und zu schützen. In der aktuellen Lage finde ich den Gesundheitsschutz wichtiger als Bergparaden, Glühwein und Holzschwibbögen. Im Erzgebirge ist der Altersdurchschnitt der Bevölkerung besonders hoch. "