Forstfest in Corona-Zeiten?

Stadtrat Jörg Stern

Rede von Jörg Stern im Stadtrat Kamenz am 29. April 2020

Es gilt das gesprochene Wort.

Ein Forstfest in auch nur halbwegs üblicher Form kann es in diesem Kalenderjahr nicht geben und es wäre sehr schön, ist aber auch nicht 100% sicher, wenn es 2021 wieder möglich ist.

Kann sich irgendeiner in diesem Jahr vorstellen:
1000 Kinder und Jugendliche dichtgedrängt in grüner Schule und dann auf Schulplatz und Markt? (Heute gab es einen aktuellen Artikel über sehr schwere Krankheitsverläufe von Kindern in GB, Spanien und Italien, die wahrscheinlich mit Corona zusammenhängen.)
Am Straßenrand dichtgedrängt die besonders gefährdete Risikogruppe der Großeltern und Urgroßeltern.
Menschenmassen, die dichtgedrängt im Forst auf Bierbänken sitzen, quatschen, singen usw. Rummel?
Menschen, die aus anderen Landesteilen und dem Ausland ihre Heimatstadt besuchen und dann wieder zurückfahren, das Virus mitbringen oder hier infiziert in ihrer neuen Heimat verbreiten.
8 Wochen Corona-Pandemie müssten eigentlich den Menschen klargemacht haben, welche Gefahren davon ausgehen, auch wenn wir hier bisher in Kamenz weitgehend von den Erkrankungen verschont blieben.
Massenveranstaltungen im Sommer und Herbst werden überall in D abgesagt, weil häufige enge Kontakte mit vielen Menschen ohne die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen zu einer Katastrophe führen können, so lange es keine Impfung oder wenigstens wirksame Medikamente gibt.

In Madrid mit vielen tausend Toten war die Frauendemo zum 8. März eine Ursache der Verbreitung.
In Ischgl (Tirol) war die infizierte Kellnerin einer Partykneipe die Quelle für die Verbreitung der Pandemie in halb Europa.
Ein Infizierter im Karneval machte den Kreis Heinsberg in NRW zum wochenlangen Hotspot in D.
Im Landkreis Tirschenreuth fand am 7.März ein Starkbierfest statt und der Landkreis ist bis heute der mit den meisten Infektionen und Todesfällen pro Einwohner. Wenn man die Zahlen auf den Landkreis Bautzen überträgt, wären das über 400 Tote zusätzlich in den letzten 5 Wochen gewesen. Diese hohen Zahlen wurden trotz der harten Maßnahmen in Bayern erreicht, sonst wären die Auswirkungen noch viel schlimmer.

Eine Verlegung ist nicht sinnvoll, da die Situation im September nicht grundsätzlich anders ist. Selbst wenn die Infektionszahlen stark zurückgehen sollten, ist der Virus bis zum August nicht verschwunden und es kann jederzeit eine neue Welle ausbrechen.
Wir sollten uns überlegen, was in der Forstfestzeit trotzdem möglich ist: Eine festlich geschmückte Stadt, in der man spazieren und hoffentlich auch unterwegs etwas essen und trinken kann. Sind Bürger bereit, Blumenschmuck, Kränze usw. auch ohne Umzug zu kaufen? Ein Feuerwerk (wenn es nicht zu trocken ist) Vielleicht ein Blasmusikkonzert mit maximal 1000 Besuchern auf der Hutbergbühne und den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen, usw.

Ideen sind gefragt, wie wir unsere Traditionen auch in diesen besonderen Zeiten wahren.

 

Info: Der Forstfestausschuss berät am Montag, dem 4. Mai 2020.