Vielen Dank, Pia Findeiß

Nun ist Pia Findeiß aus ihrem Amt als Oberbürgermeisterin verabschiedet worden. Sie hat Großes geleistet, und wir sind ihr sehr dankbar.

Pia Findeiß beim Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt Zwickau.

Obwohl es bereits abzusehen war, dass Zwickau in Bälde seine großartige Oberbürgermeistern verlieren würde, kam es doch sehr überraschend, sie nun bereits in diesem Jahr aus dem Amt ausscheiden zu sehen. Zwickau verliert damit eine hochprofessionelle und sehr erfahrene Oberbürgermeisterin, die es zudem vermochte, in ihrer Amtszeit besondere Akzente zu setzen.

Denn auch wenn Zwickaus Dächer immer noch bar moderner Solarmodule sind, das Wegenetz sehr Kfz-fixiert, Elektroladesäulen erst jetzt so langsam ein wenig Fahrt aufnehmen und Blühwiesen zwar vorhanden, aber doch bloß Randerscheinungen sind (von einer Baumschutzsatzung zu schweigen), wäre es auch aus grüner Perspektive zu verkürzt, ihre Amtszeit hierauf zu reduzieren. Sicher, sie ist keine Grüne. Aber viel gewichtiger dabei ist, dass Zwickau keine Grüne Stadt und Grünes Denken im Stadtrat eher die Ausnahme darstellt. Gleichwohl ist hier in den zurückliegenden Jahren Einiges gewachsen, dass auch aus grüner Sicht gut gefällt.

Sicher ist nicht alles auf die Oberbürgermeisterin zurückzuführen. Sie ist ja nicht Herrscherin über die Stadt. Aber gleichwohl ist sie mehr als lediglich Vollstreckungsvorsitzende für Landes-, Bundes- und EU-Richtlinien und vermag durchaus, dem Stadtrat und vor allem der Verwaltung einen eigenen Stempel aufzudrücken. Auf diese Weise hat Zwickau beispielsweise nach wie vor eine herausragende Kultur- und Soziokulturlandschaft. Man denke auch an das Sorgenkind Hauptstraße, das zwar immer noch nicht zum Blühen erweckt worden ist, aber immerhin Lösungen für die langjährigen Problemimmobilien Schocken- und Joh-Haus gefunden wurden, für die sogar das Land Sachsen mit ins Boot geholt werden konnte. Auch ist in der Hauptstraße nun die Kunst beheimatet. Man denke ferner an die Stadtteilpolitik in der Bahnhofsstadt, durch die es gelang, EU-Förderprogramme heranzuziehen und hierdurch das Viertel attraktiver zu machen. Zudem ist auch an ihre Stadtteilspaziergänge und ihre Informationsforen zu denken, wo sie persönlich den Bürger*innen politisches und administratives Wirken in der Stadt aufzeigte und sich für deren Anliegen aufgeschlossen zeigte.

Hervorzuheben ist zudem Pia Findeiß’ Umgang mit dem hiesigen Rechtsextremismus und dem Gedenken an die Opfer des NSU. Dabei ist an zwei Aspekte zu denken. Zum einen wurde sie selbst Zielscheibe rechtsextremer Hetze und Stalkings, das durchaus schon Züge von Terror hat. Denn nicht anders einzuordnen sind doch die massiven Störungen einzelner Stadtteilspaziergänge, die offensichtlich das Ziel verfolgten, die Oberbürgermeisterin wie auch die teilnehmenden Bürger*innen in Angst zu versetzen und einzuschüchtern. Ebenso die Angriffe auf die Privatsphäre und das Wohnhaus der Findeißens. Obwohl Frau Findeiß hierunter litt, ließ sie sich nicht einschüchtern. Stattdessen setzte sie ihren Weg unbeirrt fort - aufrichtig und mutig.

Zudem fand sie im Umgang mit der hochgradigen Ambivalenz der Zwickauer Stadtgesellschaft hinsichtlich der hiesigen Hinterlassenschaft der rechtsextremen Mordterrorgruppe „NSU“ genau den richtigen Weg. Denn leider besteht in Zwickau nicht einhellig die Auffassung, dass rechtsextreme Umtriebe aufgedeckt gehören und ein Aufbäumen der demokratisch-rechtsstaatlich gesonnenen Mehrheitsgesellschaft erfordern. Stattdessen möchten viele sozusagen die Rauchwolken über der Frühlingsstraße vergehen lassen und ebenso, wie der Himmel hierdurch wieder zu seinem alten Blau zurückfindet, das Stadtleben in die angeblich unbeschwerte Zeit des Davor hinüberdösen lassen. „Die haben hier nur gewohnt“, „Zwickau hat schon genug Schaden hieran genommen“, „Ich bin betrübt über das Wortpaar Zwickau und Rechtsextremismus“. Als ob sich Zwickaus Ruf durch den Mantel des Schweigens am besten wiederherstellen ließe!

Es ist sicherlich nicht allein auf Pia Findeiß zurückzuführen, dass sich auf städtischer Seite insofern die Auffassung durchsetzte, dass ein So-tun, als ob nichts passiert wäre, keinen angemessenen Umgang mit der Problematik darstellt, als sich Zwickau für die Einrichtung eines Gedenkortes für die Opfer des NSU entschied. Und sicherlich hat es auch etwas mit ihr zu tun, dass die in die Öffentlichkeit getragene Empörung über die Zerstörung des ersten Gedenkbaumes keine randständige Erscheinung durch aufgeklärte Zwickauer Schüler*innen und anderer Gruppierungen blieb, sondern zu einem sehr deutlichen Zeichen der gesamten Stadt - inklusive ihrer Würdenträger*innen - wurde. Man denke in diesem Zusammenhang auch an den Besuch der Bundeskanzlerin in Zwickau. Gut, es gibt nicht wenige, denen das, was in dieser Stadt gegen Rechtsextremismus und NSU-Aufklärung passiert, noch viel zu wenig ist. Aber dennoch bleibt anzuerkennen, dass immerhin ein großer erster Schritt getan ist. Es findet eine Entwicklung statt, und Pia Findeiß gehört zu den vielen Menschen, die diese angestoßen und getragen haben. Es ist sehr zu hoffen, dass die neue Oberbürgermeisterin dies erkannt hat und fortzusetzen bereit und fähig ist. Pia Findeiß möchten wir aber zunächst unseren großen Dank aussprechen:

Vielen Dank für Ihr Wirken in und für diese Stadt wie auch für Sachsen!