Was tun wenn Regen fehlt?

Wir werden uns durch den Klimawandel immer häufiger mit Dürre und Trockenheit auseinander setzen müssen. Warum uns das in Coswig besonders hart trifft, und was wir tun können, um besser mit der anhaltenden Trockenheit zurecht zu kommen, haben wir in offene Briefe an die Stadt und den Landkreis geschrieben.

Auch diesen Sommer sind wir in Coswig wieder mit vertrocknenden Wiesen, Sträuchern und Bäumen konfrontiert, der Wald leidet unter Trockenheit und zunehmenden Schädlingsbefall. In anderen Teilen Deutschlands ist der Sommer 2020 eher zu nass, bei uns fehlt im dritten Jahr in Folge der Regen. Diese besondere Situation hat Wilfried Küchler, Meteorologe und Mitglied im Interkulturellen Garten Coswig e.V. genauer untersucht und eine selbst innerhalb Sachsens herausgehoben drastische, regionale Trockenheit über einen ungewöhnlich langen Zeitraum in der Region Meißen-Coswig-Radebeul festgestellt. Die Zusammenfassung seiner Ausarbeitung ist alarmierend.

Mit diesen Zeilen beginnen auch die offenen Briefe, die wir, Martin Wengenmayr, Thomas Werner-Neubauer und Cornelia Obst, drei Coswiger Stadträte von Bündnis90/die Grünen und der Coswiger Bürgerliste, an den Coswiger Oberbürgermeister Thomas Schubert und an den Landrat Arndt Steinbach gemeinsam mit der ersten Beigeordneten Janet Putz verfasst haben. Darin haben wir die Ergebnisse vieler Diskussionen mit engagierten, fachkundigen Bürgern zum Thema Dürre in unserer Region zu konkreten Maßnahmen und Handlungsleitsätzen zusammengefasst.

Am Freitag, dem 21.08.2020 konnten wir Oberbürgermeister Thomas Schubert unser Schreiben persönlich übergeben. Darauf finden sich diese Forderungen:

  • Erarbeitung und Umsetzung von naturverträglichen Konzepten zum differenzierten Umgang mit Dürre und Hitze, auch im Hinblick auf Notsituationen.
  • Reduktion der jährlichen Netto-Neu-Versiegelung im Stadtgebiet auf null.
  • Weitestgehende Versickerung/Rückhaltung von Regenwasser vor Ort, gegebenenfalls auch durch entsprechende bauliche Anpassungen.
  • Massive Begrünung im Stadtgebiet: weitere Pflanzung von trockenheitsverträglichen Bäumen und Sträuchern, sowie Dach- und Fassadenbegrünung, wo es möglich ist.

Wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch mit Herrn Schubert und hoffen, dass wir diese und weitere Maßnahmen Schritt für Schritt jetzt voranbringen können, zum Beispiel im Rahmen des aktuell erarbeiteten Klimaschutzkonzeptes.

Die Forderungen an das Landratsamt sind etwas anders, da die dort angesiedelte Untere Naturschutzbehörde mit der Unteren Wasserbehörde ganz andere Kompetenzen hat als die Kommune Coswig:

  • Renaturierung von Gewässern und Feuchtgebieten, auch von solcher geringen Größe
  • Naturverträglicher Wasserrückhalt, zum Beispiel Kleinstaue, Kleinspeicher.
  • Reduktion der jährlichen Netto-Neu-Versiegelung im Landkreis auf null.
    Überprüfung der bisherigen Genehmigungs- und Kontrollpraxis bei Brunnen
  • Um- und Rückbau von Entwässerungsanlagen, vor allem in Gebieten, die unter den veränderten klimatischen Bedingungen starker Trockenheit ausgesetzt sind. Dazu bietet sich das ehemalige Feuchtgebiet Nassau zwischen Coswig und Meißen an. Hierbei könnten in einem Modellprojekt Wiedervernässung, Hochwasserschutz, Biotopentwicklung und -verbund, sowie Sicherung wirtschaftlicher Funktionen komplex geplant und realisiert werden.

Unser Ziel ist es, deutlich zu machen, dass diese Maßnahmen keine unnötigen, teuren und unwirtschaftlichen Extras zu den Pflichtaufgaben von Landkreis und Kommune sind, sonders die Voraussetzung für lebenswerte Städte und Gemeinden, die mehr ein Umdenken bei der Umsetzung etwas von Bauprojekten erfordern, als große Investitionen. Dafür setzen wir uns im Coswiger Stadtrat und im Kreisrat des Landkreises ein.